Jeder Mensch hat sozusagen zwei Ebenen, in denen er lebt: das "Ich" und das "Selbst". Im Ich äussert sich das Leben nach dem, was ein Mensch nach aussen hin gegenüber seiner Umwelt / seinen Mitmenschen lebt. Es ist Beeinflussbar, man kann über diese Einstellungen und Haltungen reden, handeln, sie überdenken und ändern. Sie ist die persönliche Note, die die Mitmenschen an meiner Person erkennen und mich danach bewerten.

Das Selbst geht jedoch viel Tiefer, es ist die eigentliche Seele eines Menschen. Hier ist der Ort, in dem absolut nichts aus der äusseren Welt eindringen kann und die nur mir persönlich gehört. Leider, so ist mein Eindruck, erkennen viel zu wenig Menschen diesen Ort in sich selbst zu wenig oder gar nicht, sie leben nur das Ich. Das Resultat: sie müssen eine Fassade in ihrem Ich-Leben aufbauen um wenigstens etwas Schutz in der persönlichen Privatsphäre zu haben. In der heutigen Leistungs- und Ellenbogengesellschaft wird es zunehmend Schwiereiger so zu leben, denn es wird  mehr und mehr innere Kraft und Stärke gefordert um in dieser Gesellschaft bestehen zu können. Immer mehr Menschen, die nur im Ich leben, fallen durch dieses Raster.

Ebenso haben viele Menschen Angst davor, das eigene Selbst auszubauen, denn es könnte ja Einbussen im moralischen Selbstwertbewusstsein und sozialen Prestigeverlust nach sich ziehen. Dem ist aber nicht so, denn genau hier findet jeder Mensch seinen wahren Kern in dem er Ruhen kann uns so sein kann wie er wirklich ist ohne jegliche Bewertung, egal in welcher Form.

Das eigene Selbst, der eigene innere Raum, kann nur von mir persönlich betreten werden. Es ist eine Art innere Ruhe und Stille, es entsteht ein Gefühl von Friede, Freiheit und persönlichem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Es gibt keinerlei "Kämpfe". Man kann richtig frei Aufatmen und Durchatmen. Es entstehen hier eigene positive Emotionen, Kritik in jeglicher Form kann Angenommen und Ausgehalten werden. Kritik wird es im "Ich" immer geben, im "Selbst" macht mir Kritik nichts aus, ich kann darüber Stehen, denn ich weiss, wer und was ich bin, egal wie andere über mich denken und reden.

Wer in dieses innere Selbst "hinabsteigen" kann, ist unabhängig von jeglicher Meinung, kann seine eigenen schwächen Akzeptieren, ist in seiner persönlichen Würde die keinerlei Kratzer und Schrammen hat, kann für sein Leben die wirklich richtige Verantwortung übernehmen und hat sein eigenes inneres Auge geöffnet. Ebenso kann man im Selbst sich mit seiner Vergangenheit aussöhnen, in dem man sie so annimmt wie sie ist b.z.w. war. Ändern kann man seine Vergangenheit nicht mehr, ebenso wenig die Menschen, die mit der persönlichen Vergangenheit zu tun haben. Wenn man zu sehr in den vergangenen Problematiken herum wühlt, kommen negative Gedanken und Gefühle auf die das eigene Selbstwertgefühl wird verletzt, und das, obwohl man an Vergangenem nichts mehr verändern kann. Man kann aber dies alles Annehmen und Akzeptieren und somit sich mit seiner Lebensgeschichte aussöhnen.

Für das eigene Leben sollte man auch Akzeptieren, daß man nicht absolut Perfekt sein kann - welcher Mensch ist das schon? Wer das von sich behauptet, der Lügt. Besser ist es, ideale für sich Selbst aufzubauen, bei denen mann Weiss, daß man sie einhalten kann. Dabei ist es wichtig, eigene Fehler, Schwächen, Schattenseiten und die eigenen Höhen und Tiefen annehmen zu können und sie mit einzubeziehen. Wer das schafft, kann im Alltag gelassener auf negative Dinge aller Art reagieren.

Menschen, die in dieses eigene Selbst immer wieder hinabsteigen, können mit Ärger und Enttäuschung wesentlich besser umgehen, es entsteht kein Selbstmitleid und keine inneren lähmenden Situationen mehr. Im Alltag können sie auf negative Einflüsse jeglicher Art gelassener reagieren. Solche Menschen stehen in der Tiefe des eigenen Seins, dem eigen Kern, ihre Seele ist in ausgeglichener Balance.